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Schornsteinfeger mit großer Sammelleidenschaft  

Schornsteinfegermeister Jens Böttcher hat schon im Rahmen der Ausbildung mit seiner Leidenschaft begonnen, die nun auch heute noch mit seiner tagtäglichen Arbeit recht eng verbunden ist. In seinem Büro, in der Eckartsbergaer Hauptstraße 40, gibt es nicht nur Akten und Bücher und die entsprechenden Verordnungen, sondern auch die unterschiedlichsten Exponate von Darstellungen als Schornsteinfeger

Schon in der Lehre bekam er in Naumburg ein Trinkglas mit einer Darstellung eines Schornsteinfegers von einer ganz lieben Kundin überreicht. „Leider ist mir beim Umzug des Betriebes von Zeitz nach Eckartsberga ein kleines Schnapsglas dabei kaputt gegangen, wo ich heute noch sehr traurig bin“, so Jens Böttcher.Der heute 48.-jährige Jens Böttcher hat 1988 die Ausbildung beim Schornsteinfegermeister Hubert Sturm in Naumburg abgeschlossen. Dort war er über viele Jahre als Geselle auf den Dächern er Domstadt anzutreffen.

Bereits acht Jahre später machte der jederzeit aufgeschlossene und stets gut gelaunte Finnestädter den nächsten Schritt und so konnte er am 20. Januar 1996 erfolgreich die Meisterprüfung ablegen. Dies befähigte ihn um später einen eigenen Kehrbezirk in Zeitz zu übernehmen. Dies war für den Finnestädter aber auch mit zahlreichen Aufwendungen und Entbehrungen über die Woche hinweg verbunden.

Umso mehr freute er sich, als er im Jahre 2016 den Kehrbezirk vom damaligen Bezirksschornsteinfegermeister Joachim Bornschein übernehmen konnte. „Heute habe ich mit Peter Weißenborn zum Glück einen Kollegen an meiner Seite, wo man durchaus sagen kann, dass er meine rechte Hand ist und zuverlässig im gesamten Bereich von Bad Kösen und den umliegenden Ortschaften unterwegs ist“ so Böttcher. Immerhin gilt es rund 2500 Kunden zu bedienen und regelmäßig aufzusuchen, um alles zu prüfen.

Während in der Kutadt die Heizungsanlagen immer mehr auf Erdgas umgestellt werden, ist im ländlichen Raum eine Zunahme für das Verbrennen von Festbrennstoffen zu verzeichnen und so auch das Kehren der Schornsteine wieder mehr in den Fokus gerückt ist.

Familienmitglieder, Freunde und Bekannte, die von seiner bislang eher geheim gehaltenen Leidenschaft wussten, ließen seine Sammlung auf 571 Exponate anwachsen. Aber auch seine Berufskollegen unterstützen ihn bei seiner Sammlerleidenschaft. Denn allein bei den Figuren sind es mittlerweile weit über 400, die nun in seinem Büro zu sehen sind. Dabei ist die Vielfalt nicht nur sehr groß, sondern dies reicht auch von einen gerade sechs Millimeter großen Anhänger bis zu einen 80 Zentimeter großen Figur.

Recht stolz ist er aber auch darauf, dass sich ein Lehrbuch zur Gesellenausbildung aus dem Jahre 1929 in seinen Besitz befindet. In diesem befinden sich noch alle Beiblätter mit bildlichen und schematischen Darstellungen von Öfen, Schornsteinen bis hin zu Dachstühlen. Solche Exponate gibt es heute nicht allzu oft. Seine Sammlung zieren nicht nur die verschiedensten Exponate aus ganz Deutschland, sondern auch aus den USA.

Neben verschiedensten Bleifiguren gibt es auch Dosen mit Schuhcrem zu entdecken. Auch ein echter und noch immer bestens funktionierenden Windmesser, von seinen ehemaligen Ausbilder Hubert Sturm, hält er in Ehren. 

Aber auch Christbaumschmuck, verschiedensten Figuren aus Keramik oder auch als Metall, die unterschiedlichsten Symbole des Glückes, verschiedene Puppen, Aschenbecher aus den 30iger Jahren, eine Spieluhr mit Schornsteinfeger, Bierflaschen, aber auch Feuerzeuge mit Schornsteinfegern bis zu seinen schwarz eingerusten Ausweis, kann man bei einen Bürobesuch entdecken. Aber auch verschiedensten Münzen mit der Abbildung eines Schornsteinfegers von nahezu allen Kontinenten sind entsprechend geordnet und aufgelistet. Nicht fehlen darf das von ihn gefertigte Gesellenstück eines Seilspeißes mit dem dazugehörigen knotenlosen Abbund.

Durch seine Partnerin Ivonne zogen nun auch die ersten weiblichen Schornsteinfegerinnen in der Eckartsbergaer Dienstelle ein, worüber er erfreut war, denn so etwas war bis dahin noch nicht in seinen Fundus und bereichert damit diese einzigartige Darstellung des Schornsteinfeger Handwerkes.

Einen Ehrenplatz hat aber auch sein Gesellen Käppi, wo er ernst auf den Dächern der Kreisstadt unterwegs war, um die Schornsteine zu kehren. Ein Bild von seinem Ausbilder, der ihn zu seinen Lieblingsberuf eines Schornsteinfegers heranführte, gehört zu seiner Vielzahl von Wandbildern die heute sein Büro schmücken.

Ein großes Ziel hat sich Jens Böttcher auch mit seiner Partnerin Ivonne gestellt, denn auch er möchte einmal beim alljährlich Weltgrößten Treffen von Schornsteinfegern im Italienischen Santa Maria Maggiore teilnehmen. Für dieses Jahr war eine Fahrt zu diesem Treffen Ende September geplant, aber leider musste dies durch Corona abgesagt werden.

Nach wie vor ist der Schornsteinfeger das Symbol des Glücks. Dabei halten viele Einwohner , wie aber auch die vorbeikommenden Touristen an dieser Tradition fest, wen man den „schwarzen Mann“ anfasst, soll es ihnen ja auch Glück bringen und gerade in der Corona Zeit tat dies kein Abbruch, denn diese Tradition müssen ja mit Abstand bewahrt werden. Aber auch bei Hochzeiten wird er gerne eingeladen, wenn Freunde, Bekannte aber auch aus seinem Kollegenkreis in den Bund der Ehe eintreten und somit dem jungen Paar viel Glück auf dem gemeinsamen Weg begleiten soll.

Recht fasziniert von dieser nicht alltäglichen Sammlung, wurde ich durch den weltweiten Gruß der Schornsteinfeger, mit dem Schornsteinfeger-Pfiff ganz besonderes verabschiedet. Durch einen langen und einen kurzen Pfiff was unter „Philipp“ bekannt ist, grüßen sich alle Schornsteinfeger, und so sind die Handwerker der schwarzen Zunft symbolisch auf der gesamten Welt dann vereint, was sicherlich in dieser Art es nicht noch ein weiteres Mal gibt.

Text & Foto: Holger Behrens

 

 

  
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